Prä-islamische Perlen aus den Gräbern der Samad-Periode im Sultanat Oman und Perlen aus den Grabungsbefunden zu gleichalten Königreichen in Sri Lanka

Finanzierung von Sachmitteln für die Analytik, von Reisemitteln in den Oman und nach Sri Lanka für die Mitarbeiterin und von einer halben Mitarbeiterstelle für zwei Jahre durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG.

Beteiligte:
Rösch Cordelia, Institut für Mineralogie, Universität Würzburg (jetzt C. Weinfurter, Microsoft München)
Schüßler, Ulrich, Institut für Mineralogie, Universität Würzburg
Hock, Rainer,  Institut für Mineralogie, Universität Würzburg (jetzt am Lehrstuhl für Kristallographie, Universität Erlangen)

Kooperationen:

  • Yule, Paul, Seminar für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients, Universität Heidelberg
  • Weissgerber, Gerd, Deutsches Bergbau-Museum Bonn
  • Weisshaar, Hans Joachim und Hannibal, Anne, Kommission für Allgemeine und Vergleichende Archäologie KAVA (jetzt Kommission für Archäologie Aussereuropäischer Kulturen KAAK) Bonn.
  • Wijeyapala W., Archäologischer Dienst von Sri Lanka


Ende des vergangenen Jahrhunderts wurden über einen Zeitraum von 20 Jahre im Sultanat von Oman regelmäßig archäologische Grabungen unter der Ägide des Deutschen Bergbau-Museums Bochum durchgeführt. Das Haupziel der Grabungen war es, einen Einblick in den über 5000 Jahre alten Kupferbergbau und die Kupferverarbeitung dieser Region zu bekommen (A. Hauptmann). Daneben wurden aber auch alte Siedlungsbereiche und Gräberfelder prä-islamischer Kulturen untersucht. 1980 wurde dabei eine bislang unbekannte, schriftlose, eisenzeitliche Kultur in den Oasen von al Maysar und Samad al Shan entdeckt und als Samad-Kultur benannt (300 v.Chr. bis 900 n.Chr.)(P. Yule). Von 1987 bis 1991 fanden hier detailierte Grabungen statt. Neben Eisenwaffen, Bronzegefäßen und einer bislang unbekannten handgemachten Keramik wurden dabei etwa 8000 Perlen aus unterschiedlichem Material freigelegt. Einige davon stammen aus einem Grabungskontext, der eine Datierung von etwa 3000 Jahren v.Ch. zulässt und damit deutlich älter ist als die Samad-Kultur. Eine repräsentative Anzahl von Perlen aus mehreren prä-islamischen Perioden wurde für Materialanalysen ausgewählt, hauptsächlich typische, daneben aber auch nicht identifizierte Materialien.

Im Zuge des Projektes schien es sinnvoll, Perlen zeitgleicher Kulturen mit zu untersuchen, die bei verschiedenen aktuellen Grabungen dort stammen. Seit 1992 wurden von der Kommission für Allgemeine und Vergleichende Archäologie in Bonn (KAVA, jetzt KAAK) Grabungen vor allem im südlichen Teil Sri Lankas bei Tissamaharama durchgeführt, bei denen unter anderem die Hauptstadt Mahagama des alten, seit dem 3. Jh. v.Ch. existierenden Königreiches Ruhuna untersucht wurde (Weisshaar, Wijeyapala). In einem als Akurugoda bezeichneten und als altes Handwerkerviertel interpretierten Teil der Stadt kamen Schmelzöfen einer alten Kupfer- und Bronzeverarbeitung zum Vorschein, zusammen mit Schlacken, Formen, zahlreichen Keramikfragmenten und über 3600 Perlen aus verschiedenen Materialien. Auch von diesen Perlen wurde ein repräsentativer Anteil materialkundlich analysiert.

Für die materialkundliche Untersuchung sowohl der omanischen als auch der singhalesischen Perlen standen folgende Fragestellungen an:

  • Wie ist die genaue Materialansprache, zu welcher Materialgruppe gehören bestimmte Perlen (das lässt sich makroskopisch nicht immer klären)?
  • Wie ist die genaue Zusammensetzung z.B. von Glasperlen, Metallperlen?
  • Aus welchem Gestein bestehen die Naturstein-Perlen?
  • Sind bestimmte Materialgruppen heimisch oder importiert?
  • Gab es eine lokale Herstellung von Kunstgegenständen?
  • Wenn importiert, dann woher? Handelswege?
  • Was lässt sich über die Herstellungstechnik aussagen?
  • Wie groß ist der Verbreitungsbereich bestimmter Materialgruppen?
  • Wie ist die zeitliche Verbreitung, gibt es eine Entwicklung der Herstellungsart mit der Zeit?

Ergebnisse in:

  • RÖSCH, C. (1994): Präislamische Schmuckperlen aus dem Sultanat Oman: Mineralogisch-materialkundliche Untersuchungen. - Diplomarbeit, Universität Würzburg.
  • RÖSCH, C., HOCK, R., SCHÜSSLER, U., YULE, P., HANNIBAL, A. (1997): Electron microprobe analysis and X-ray diffraction methods in archaeometry: Investigations on ancient beads from the Sultanate of Oman and from Sri Lanka. - Eur. J. Mineral., 9: 763-783.
  • SCHÜSSLER, U., RÖSCH, C., HOCK, R. (2001): Beads from Ancient Sri Lanka - Firth Results of a Systematic Material Analysis. - In: WEISSHAAR, H.-J., ROTH, H., WIJEYAPALA, W. (eds.): Ancient Ruhuna, Vol.1. Materialien zur Allgemeinen und Vergleichenden Archäologie, Band 58: 227-242, Philipp von Zabern Verlag.
  • HOCK, R., SCHÜSSLER, U. (2001): Mineralogisch-materialkundliche Untersuchungen an prä-islamischen Schmuckperlen aus dem Sultanat Oman und an Schmuckperlen altsinghalesischer Königreiche aus Sri Lanka - Abschlußbericht zu den DFG-Projekten HO 1714/1-1, 1-2 und 1-3.
  • WELTER, N., SCHÜSSLER, U., KIEFER, W. (2007): Characterization of inorganic pigments in ancient glass beads by means of Raman microscopy, microprobe analysis and x-ray diffraction. - Journal of Raman Spectroscopy, 38: 113-121.

Bleiglas-Perlen einer frühslawischen Siedlung bei Rostock-Dierkow

Beteiligte:
Schüßler, Ulrich, Institut für Mineralogie, Universität Würzburg
Rösch Cordelia, Institut für Mineralogie, Universität Würzburg (jetzt C. Weinfurter, Microsoft München)
Bröcker, Michael, Institut für Mineralogie, Universität Münster
Hoffmann, Peter,Fachbereich Materialwissenschaft, TH Darmstadt
Steppuhn, Peter, Amt für Archäologische Denkmalpflege, Lübeck

Ergebnisse in:

  • SCHÜSSLER, U., BRÖCKER, M., HOFFMANN, P., RÖSCH, C., STEPPUHN, P. (1995): Materialuntersuchungen an Bleiglas-Schmuckperlen aus der frühslawischen Siedlung Rostock-Dierkow. - In: HAUPTMANN, A., REHREN, T. & YALCIN, Ü. (eds.): Archäometrie und Denkmalpflege - Kurzberichte 1995: 187-189.