Bronzezeitliches Glas zwischen Alpenkamm und Ostsee. Untersuchungen zur Herstellung und Distribution des ältesten Glases in Mitteleuropa

Laufendes Projekt

Finanzierung von Sachmitteln, Reisekosten und einer halben Mitarbeiterstelle durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG

Beteiligte:
Mildner, Stephanie, Institut für Archäologie, Universität Würzburg
Falkenstein, Frank, Institut für Archäologie, Universität Würzburg
Schüßler, Ulrich, Institut für Geographie und Geologie, Universität Würzburg

Glasperlen aus Gräbern, Horten und Siedlungen der Mittel- bis Spätbronzezeit (14.-9. Jh. v.Chr.) stellen das älteste echte Glas im Raume zwischen Alpenkamm und Ostsee dar. Seine Seltenheit und die enge Bindung an überdurchschnittlich reich ausgestatten Gräber lassen im bronzezeitlichen Glas ein exklusives, kostbares und prestigeträchtiges Material erkennen. Im internationalen Vergleich bilden die bronzezeitlichen Glasfunde in den deutschen Bundesländern ein noch unzureichend bearbeitetes Forschungsfeld. Aus diesem Grund sollen die bronzezeitlichen Glasfunde in Mitteleuropa auf archäologischem Wege, die Funde aus Deutschland zusätzlich auf archäometrischem Wege untersucht werden. Auf die archäologische Untersuchung von Glasperlen im Hinblick auf Perlenformen, Färbung, Zeitstellung, Fundzusammenhänge und Verbreitung folgt die archäometrische Analytik auf Haupt-, Neben- und Spurenelemente des Glases. Die archäometrischen Analysen versprechen Informationen hinsichtlich der verwendeten Glasrezepturen, die wiederum Aufschluss über Herkunft, Distribution sowie die Organisation des Glashandwerks bereithalten. Durch die Verknüpfung der Ergebnisse beider Forschungsansätze soll die technik- und kulturgeschichtliche Stellung von Glas in der mitteleuropäischen Bronzezeit herausgearbeitet werden.

Erste Ergebnisse in:

  • Mildner, S., Falkenstein, F., Schmidt, J.-P., Schüssler, U. (2010): Materialanalytische Untersuchungen an ausgewählten Glasperlen des Hortfundes von Neustrelitz, Lkr. Mecklenburg-Strelitz. - Bodendenkmalpflege in Mecklenburg-Vorpommern, Jahrbuch 57, 43-63.

Herstellung von Glas in frühislamischer Zeit – archäologische und archäometrische Untersuchungen an neuen Grabungsfunden im Palast von Raqqa, Syrien

Laufendes Projekt

Finanzierung von Sachmitteln und Reisemitteln durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG

Beteiligte:
Gaube, Heinz, Institut für Archäologie, Universität Tübingen
Becker, Andrea, Museum für Islamische Kunst, Berlin
Paz, Boaz, Labor für Archäometrie, Bad Kreuznach
Schüßler, Ulrich, Institut für Geographie und Geologie, Universität Würzburg

Der archäologische Befund der alten Städte Raqqa und Madinat al-Far/Hisn Maslam wie auch die große Zahl gut stratifizierter Glasfunde erlauben eine detaillierte Analyse der Glasherstellung im Syrien des 8. und 9. Jhs., also für die Zeit kurz nach der islamischen Eroberung. Während der rund 40 Jahre der Herrschaft des Abbasiden-Kalifs Harun ar-Rashid war Raqqa eine blühende Stadt mit einer produktiver Glasmanufaktur, um die Bedürfnisse des Kalifenhofs und der schnell wachsenden Bevölkerung zufrieden zu stellen. Glasfunde aus dem Kalifenpalast werden it solchen aus der lokalen Glasherstellung verglichen, um zwischen lokalem und importiertem Glas unterscheiden zu können, um eine Vorstellung vom Anteil der Importware zu bekommen und um auf der Basis regionaler Vergleiche Informationen über die Herkunft der Importware zu erhalten.

Materialwissenschaftliche Untersuchung des Fliesendekors an der Moschee Khoja Zainuddin in Buchara, Usbekistan

Laufendes Projekt

Beteiligte:
Drewello, Rainer, Lehrstuhl für Restaurierungswissenschaften in der Baudenkmalpflege, Universität Bamberg
Badr, Jasmin, Lehrstuhl für Restaurierungswissenschaften in der Baudenkmalpflege, Universität Bamberg
Huck-Stiasny, Christiane, Lehrstuhl für Restaurierungswissenschaften in der Baudenkmalpflege, Universität Bamberg
Schüßler, Ulrich, Institut für Geographie und Geologie, Universität Würzburg

Die Mitte des 16. Jahrhunderts erbaute Moschee Khoja Zainuddin ist Teil des UNESCO-geschützten Architekturensembles von Buchara. Das Gebäude besticht durch sein reiches Fliesendekor, das sich an den Fassaden im Traufenbereich in Form von geometrischen und kalligraphischen Mustern präsentiert. Auch die Fenstergitter im Portikus sind mit Fayencemosaiken versehen. Die größten noch erhalten Mosaikflächen befinden sich im Betsaal, dessen gesamte Sockelzone mit vegetabilen und geometrischen Mustern bedeckt ist. Die untersuchten Fliesen bestehen aus einem keramischen Grundmaterial und einer Glasur. In einigen Fällen ist zusätzlich eine silikatische Zwischenschicht aufgetragen. Wie sowohl die makroskopische als auch die mikroskopische Untersuchung der Fliesen zeigt, wurde die Glasur in den meisten Fällen auf das noch feuchte Trägermaterial aufgebracht. Glasur und Trägermaterial wurden anschließend in einem Arbeitsgang gebrannt. Um nähere Informationen über das verwendete Material, die Zusammensetzung und die Herstellung der Fliesen, des Glasuruntergrundes und der Glasuren selbst zu erhalten, werden materialkundliche Analysen durchgeführt. Als Methoden werden die Auflichtmikroskopie, Röntgendiffraktometrie, Elektronenstrahl-Mikrosondenanalytik, Rasterelektronenmikroskopie und optische Dilatometrie eingesetzt.

Erste Ergebnisse in:

  • BADR, J., DREWELLO, R., HUCK-STIASNY, C., SCHÜSSLER, U. (2010): Materialwissenschaftliche Untersuchung des Fliesendekors an der Moschee Khoja Zainuddin in Buchara (Usbekistan). - Archäometrie und Denkmalpflege - Kurzberichte 2010, in: HAHN, O., HAUPTMANN, A., MODARRESSI-TEHRANI, D., PRANGE, M. (Eds.): Metalla, Sonderheft 3: 172-174.

Römisches Kameo-Glas aus dem Martin von Wagner Museum in Würzburg und dem Allard Pierson Museum in Amsterdam

Beteiligte:
Schüßler, Ulrich, Institut für Mineralogie, Universität Würzburg
Weiss, Carina, Institut für Archäologie, Universität Würzburg

Zehn Fragmente von römischem Kameoglas, neun davon aus dem Martin von Wagner Museum Würzburg und eines aus dem Allard Pierson Museum Amsterdam, wurden mit der Elektronenstrahl-Mikrosonde hinsichtlich der Zusammensetzung des Glases analysiert. Ausgangspunkt war die fragliche römerzeitliche oder frühneuzeitliche Einordnung eines der Fragmente. Die untersuchten Kameogläser bestehen alle aus einem blauen oder aus einem dunkelvioletten, fast schwarzen Grundglas, auf dem ein aus weissem, opakem Glas bestehendes Relief aufgebracht ist. Sowohl das Grundglas als auch das Reliefglas aller Fragmente zeigen die ausgesprochen typisch römische Glaszusammensetzung, das Reliefglas nach Abzug farbgebender bzw. schmelzpunkterniedrigender Komponenten (Sb2O3 und PbO). Das Grundglas wurde durch Zuschlag von Co und Cu blau oder durch Mn violett gefärbt. Das opake weiß des Reliefs entsteht durch Zugabe von Sb, das in der Glasschmelze mit Ca zu zahllosen winzigen Kriställchen aus Ca-Antimonat kristallisiert. PbO wurde dem weißen Reliefglas in unterschiedlichen Mengen zugeschlagen, in Abhängigkeit von einer notwendigen Schmelzpunkterniedrigung zum Aufbringen des Reliefs auf das Grundglas.

Ergebnisse in:

  • WEISS, C., SCHÜSSLER, U. (1999): Neues Licht auf altem Glas. Archäologische und archäometrische Untersuchungen an einem römischen Kameoglas in Würzburg. – Proceedings of the XVth International Congress of Classical Archaeology, Amsterdam, July 12-17, 1998, Allard Pierson Series, 12: 453-456.
  • WEISS, C., SCHÜSSLER, U. (2001): Kameoglasfragmente im Martin von Wagner Museum der Universität Würzburg und im Allard Pierson Museum Amsterdam. - Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts, 115: 199-251.

Römische Mosaik- und Millefiori-Gläser aus dem Martin von Wagner Museum in Würzburg – archäologische und materialkundliche Untersuchungen

Beteiligte:
Gedzeviciute, Vilma, Institut für Archäologie, Universität Würzburg
Schüßler, Ulrich, Institut für Geographie und Geologie, Universität Würzburg
Welter, Nele, Kiefer, Wolfgang, Institut für Physikalische Chemie, Universität Würzburg
Weiss, Carina, Institut für Archäologie, Universität Würzburg

Das Martin von Wagner Museum in Würzburg besitz über 200 Fragmente römischer Mosaik- und Millefiori-Gläser, die aus zwei Kunstsammlungen stammen. Die ursprüngliche archäologische Kontext der Fragmente ist nicht bekannt. Etwa die Hälfte der Fragmente wurde im Rahmen einer Magisterarbeit archäologisch-stilistisch untersucht, wobei die Fragmente in drei Gruppen unterteilt werden konnten. Zwölf für diese Gruppen repräsentative Stücke wurden für Analysen mit der Elektronenstrahl-Mikrosonde ausgewählt, um Informationen über die Grundrezepturen des Glases und über die farbgebenden Zuschläge zu erhalten. Zur Identifizierung farbgebender oder trübender Pigmente wurde eine Mikro-Raman-Sonde eingesetzt.

Ergebnisse in:

  • GEDZEVICIUTE, V. (2006): Die Mosaikgläser des Martin-von-Wagner-Museums - archäologische und materialkundliche Untersuchungen. - Magisterarbeit, Lehrstuhl für Klassische Archäologie, Universität Würzburg.
  • GEDZEVICIUTE, V., WELTER, N., SCHÜSSLER, U., KIEFER, W., WEISS, C. (2007): Die Mosaikgläser des Martin von Wagner Museums in Würzburg: Archäologische und materialkundliche Untesuchungen. - Archäometrie und Denkmalpflege - Kurzberichte 2007: 144-147.
  • SCHÜSSLER, U., GEDZEVIČIŪTĖ, V.,WELTER, N. (2007): Die Kunst der antiken Glasmacher – mit mikroanalytischen Methoden auf der Suche nach den Details römischer Mosaikgläser. - In: WAGNER, G.A. (Ed), Einführung in die Archäometrie. Springer 2007: 193-214.
  • GEDZEVICIUTE, V., WELTER, N., SCHÜSSLER, U. (2008): Fragments of Roman mosaic and millefiori glass of the Matin von Wagner Museum in Würzburg, Germany: archaeological and archaeometrical investigations. - 37th International Symposium on Archaeometry, 12.-16.5.2008, Siena, abstract 115, program and abstracts, errata appendix.
  • GEDZEVICIUTE, V., WELTER, N., SCHÜSSLER, U., WEISS, C. (2009): Chemical composition and colouring agents of Roman mosaic and millefiori glass, studied by electron microprobe analysis and Raman microspectroscopy. - Archaeological and Anthropological Sciences, 1: 15-29.

Mittelalterlich-frühneuzeitliche Glasproduktion in Deutschland

Die Untersuchung der spätmittelalterlich-frühneuzeitlichen Glasproduktion nördlich der Alpen beschränkte sich bis vor wenigen Jahren auf die Beschreibung, Klassifizierung und zeitliche Einordnung von Glasfunden aus verschiedenen Grabungen. Teilweise wurden diese Glasfunde auch chemisch analysiert. Erst in letzter Zeit wurde seitens der Archäologie ein kleiner Schwerpunkt auf die Ausgrabung der eigentlichen Produktionsstätten, der Glashütten gelegt. Inzwischen wurden und werden an mehreren Lokationen in Deutschland Glashütten ausgegraben. Ziel des vorliegenden Projektes war es, die Funde rund um die Glasproduktion materialkundlich zu untersuchen. Das beinhaltet die Produktionsreste (welche Glasarten wurden produziert), die Glastiegel (welcher Ton wurde verwendet? Wie hoch ist die Temperaturbeständigkeit der Tiegel?), die Ofenbausteine und Ofenböden (lokale Materialien? Temperaturbeständigkeit? Welche Temperaturen wurden erreicht?). Untersucht wurden die Glashütte im Schönbuch bei Tübingen und die Glashütten im Nassachtal bei Göppingen. Ein wesentliches Ergebnis ist der Nachweis von Glasfritte als Zwischenprodukt bei der Herstellung von Glasschmelze zu dieser Zeit. Weiterhin wurden Glasfragmente aus eine Stadtgrabung in Braunschweig und einer Stadtgrabung in Lübeck analysiert

Ergebnisse in:

  • SCHÜSSLER, U., LANG, W. (2002): Mineralogische Untersuchungen zu Produktionseinrichtungen und Produkten der spätmittelalterlichen Glashütte „Salzwiesen“ im Nassachtal bei Uhingen. – Hohenstaufen/Helfenstein, Historisches Jahrbuch für den Kreis Göppingen, Bd. 12: 31-58.
  • WATZKE, B. (2001): Materialwissenschaftliche Untersuchungen von Produktionseinrichtungen und Produkten der spätmittelalterlichen Glashütte Schönbuch. - Diplomarbeit, Universität Würzburg.
  • BRINKER, B., SCHÜSSLER, U. (2003): Spätmittelalterliche Glasproduktion im Schönbuch bei Tübingen. Zur Mineralogie und chemischen Zusammensetzung der Ofenbauten, Schmelztiegel, Glasreste und Glasfritten. – In: P. STEPPUHN (Hrsg.), Glashütten im Gespräch, Schmidt-Römhild Verlag Lübeck: 39-45.
  • BRUCKSCHEN, M. (2000): Faszination Glas: Die Braunschweiger Bodenfunde aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit. Dissertation, Universität Kiel.
  • SCHÜSSLER, U., WILDE, M. (2003): Chemische Zusammensetzung ausgewählter Glasfunde aus der Altstadt von Lübeck. Unpublizierter Bericht.