Herkunft des Granats merowingerzeitlicher Cloisonnéarbeiten aus dem alamannischen Herrschaftsbereich

Beteiligte:
Schüßler, Ulrich, Institut für Mineralogie, Universität Würzburg
Quast, Dieter, Württembergisches Landesmuseum Stuttgart (jetzt Römisch-Germanisches Museum in Mainz)
Rösch Cordelia, Institut für Mineralogie, Universität Würzburg (jetzt C. Weinfurter, Microsoft München)

Die Granateinlagen von 48 Cloisonnéarbeiten des 5. bis 7. Jahrhunderts aus alamannischen Gräbern wurden mit der Elektronenstrahl-Mikrosonde zerstörungsfrei analysiert. Von der chemischen Zusammensetzung der verwendeten Granate ausgehend kann man zwei Gruppen unterscheiden, eine Gruppe mit Almandin-Pyrop-reichem Granat und eine zweite mit Pyrop-Uwarovit-Knorringit-reichem Granat. Die erste Gruppe stimmt chemisch sehr gut mit dem Streubereich von Rohgranat aus Indien und Sri Lanka überein. Das untermauert die Vorstellungen der Archäologie, dass der Granat für die Cloisonnéarbeiten aus Indien stammt. Die zweite Gruppe ist chemisch und auch vom optischen Erscheinungsbild völlig identisch mit dem bekannten „böhmischen Pyrop“, der seit Jahrhunderten zur Schmuckherstellung gewonnen wird und in seiner exotischen Zusammensetzung als Schmuckstein unverwechselbar ist. Interessanterweise ergibt sich für die Verwendung der Granate beider Gruppen eine strenge zeitliche Korrelation: Indischer Granat der Gruppe 1 wurde bis ins ausgehende 6. Jh. ausschließlich verwendet, ab dem 7. Jh. kam ausschließlich böhmische Pyrop zum Einsatz. Dieser abrupte Wechsel lässt sich möglicherweise durch einen Krieg am Eingang des Roten Meeres zwischen Jemen und Äthiopien um 590 n. Chr. erklären. Der Seehandelsweg von Indien wurde dadurch unterbrochen und die Schmuckhersteller mussten zwangsläufig auf „heimische“, qualitativ weniger gute Granatquellen zurückgreifen. Ungeklärt ist bislang, warum dieser Einschnitt nur im süddeutschen Bereich so auffällig ist, im Norden konnte er bislang so nicht nachgewiesen werden.

Ergebnisse in:

  • SCHÜSSLER, U., QUAST, D., WOLF, R., RÖSCH, C. (1997): Mikrosondenanalytische Untersuchungen an Granaten alamannischer Goldschmiedearbeiten des 5. bis 7. Jahrhunderts. - Eur. J. Mineral. 9, Beih.1: 320.
  • SCHÜSSLER, U., QUAST, D., WOLF, R., RÖSCH, C. (1998): Zusammensetzung und Herkunft der Granateinlagen alamannischer Goldschmiedearbeiten des 5. bis 7. Jahrhunderts. - Archäometrie und Denkmalpflege - Kurzberichte 1998: 66-67.
  • QUAST, D., SCHÜSSLER, U. (2000): Mineralogische Untersuchungen zur Herkunft der Granate merowingerzeitlicher Cloisonnéarbeiten. – Germania, 78: 75-96

Der Schatzfund von Palaiokastron – goldschmiedetechnische Betrachtungen und materialkundliche Untersuchungen

Beteiligte:
Gartzke, Eva, Institut für Archäologie, Universität Würzburg
Schüßler, Ulrich, Institut für Mineralogie, Universität Würzburg
Hoffmann, A., Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg

In der interdisziplinären Magisterarbeit vom Lehrstuhl für Klassische Archäologie, dem Institut für Mineralogie und dem Lehrstuhl für Physikalische Chemie der Universität Würzburg geht es um Möglichkeiten, antike Schmuckstücke goldschmiedetechnisch zu beurteilen und die verwendeten Edelsteine anhand der Raman-Spektroskopie und der Elektronenstrahl-Mikroanalytik zu untersuchen. Dabei wird ein Schwerpunkt auf den methodischen Vergleich der beiden Analyseverfahren gelegt unter dem Aspekt: Für welche Fragestellung eignet sich welche der beiden Methoden besser. Die Magisterarbeit befasst sich zunächst ausführlich mit der Frage, welche Edelsteine in der Antike überwiegend verwendet wurden, die einzelnen Edelsteingruppen werden dabei eingehend beschrieben. Anschließend werden die methodischen Grundlagen der angewendeten Analyseverfahren erläutert. Der Hauptteil der Arbeit beschäftigt sich mit einem Fundkomplex hellenistischen Schmucks aus dem dritten bis ersten Jahrhundert v. Chr., der 1909 nahe Palaiokastron, etwa 8 km südlich der heutugen Stadt Karditsa in Thessalien, entdeckt wurde. Ein Teil des Schatzes befindet sich heute im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe und wurde für die Untersuchungen zur Verfügung gestellt. Es handelt sich um verschiedene Goldappliken mit und ohne gefasste Edelsteine sowie um drei aufwendig gearbeitete Ohranhänger und ein Kettenfragment mit mehreren kunstvoll gestalteten Schmuckperlen. Die Schmuckstücke werden unter goldschmiedetechnischen Aspekten bezüglich ihrer Herstellung beurteilt. Anhand der Analytik werden die verwendeten Schmucksteine identifiziert. Für die Ramann-Spektroskopie war dabei die Erstellung einer umfangreichen Datenbank mit Referenzspektren nötig, die sich im anhang der Arbeit befindet. Ebenfalls dort findet man auch Stichwortverzeichnisse zu den wichtigsten mineralogischen und gemmologischen Grundbegriffen und zu Fachbegriffen aus dem Goldschmiedehandwerk, Tabellen zu Verwechslungsmöglichkeiten der Edelsteine und Ergebnistabellen der eingesetzten Analytik. Die Arbeit schließt ab mit Fototafeln zum Schatz von Palaiokastron. Die Arbeit wurde durchgeführt von Frau Eva Gartzke, die vor ihrem Archäologiestudium eine Ausbildung zur Goldschmiede-Meisterin absolvierte.

Ergebnisse in:
  • GARTZKE, E. (2004): Methoden zur materialkundlichen Untersuchung antiker Schmuckstücke. - Magisterarbeit, Lehrstuhl für Klassische Archäologie, Universität Würzburg.(pdf-file on demand)
  • GARTZKE, E., SCHÜSSLER, U., SCHMITT, M., HOFFMANN, A. (2004): Der Schatzfund von Palaiokastron im Lichte goldschmiedetechnischer Betrachtungen sowie mikrosondenanalytischer und ramanspektroskopischer Untersuchungen. - Archäometrie und Denkmalpflege - Kurzberichte 2004: 188-189.