Aktuelle Projekte

Geochemische Untersuchungen in den metamorphen Serien und der paläozoischen Umrandung des Frankenberger Zwischengebirges in Sachsen

Laufendes Projekt seit 2015

Beteiligte:
Koglin, Nikola, Institut für Geographie und Geologie der Universität Würzburg
Schüßler, Ulrich, Institut für Geographie und Geologie der Universität Würzburg
Brätz, Helene, GeoZentrum Nordbayern der Universität Erlangen

Das Frankenberger Zwischengebirge wird seit längerem als kleiner Rest eines größeren Deckenkomplexes angesehen, zu dem auch die Münchberger Gneismasse und das Wildenfelser Zwischengebirge gehören. Im Frankenberger Zwischengebirge treten drei metamorphe Serien auf, die Ihr Gegenstück in der Münchberger Gneismasse finden sollen: Die hm-Serie des Zwischengebirges entspräche danach der Hangend-Serie der Gneismasse, die Gneis-Serie entspräche der Liegend-Serie und die Prasinit-Serie entspräche der Prasinit-Phyllit-Serie. Um diese Vorstellung mit modernen geochemischen Daten zu überprüfen, werden die wesentlichen Gesteine der drei metamorphen Serien geochemisch untersucht. Mit in die Untersuchungen einbezogen sind saure und basische Vulkanite des umgebenden schwachmetamorphen Paläozoikums, um diese mit den Vulkaniten in der paläozoischen Umrahmung der Münchberger Gneismasse zu vergleichen. 

Bronzezeitliches Glas zwischen Alpenkamm und Ostsee. Untersuchungen zur Herstellung und Distribution des ältesten Glases in Mitteleuropa

Laufendes Promotions-Projekt seit 2010

Finanzierung von Sachmitteln, Reisekosten und einer halben Mitarbeiterstelle durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG

Beteiligte:
Mildner, Stephanie, Institut für Archäologie, Universität Würzburg
Falkenstein, Frank, Institut für Archäologie, Universität Würzburg
Schüßler, Ulrich, Institut für Geographie und Geologie, Universität Würzburg
Brätz, Helene, GeoZentrum Nordbayern, Universität Erlangen

Glasperlen aus Gräbern, Horten und Siedlungen der Mittel- bis Spätbronzezeit (14.-9. Jh. v.Chr.) stellen das älteste echte Glas im Raume zwischen Alpenkamm und Ostsee dar. Seine Seltenheit und die enge Bindung an überdurchschnittlich reich ausgestatten Gräber lassen im bronzezeitlichen Glas ein exklusives, kostbares und prestigeträchtiges Material erkennen. Im internationalen Vergleich bilden die bronzezeitlichen Glasfunde in den deutschen Bundesländern ein noch unzureichend bearbeitetes Forschungsfeld. Aus diesem Grund werden die bronzezeitlichen Glasfunde in Mitteleuropa auf archäologischem Wege, die Funde aus Deutschland zusätzlich auf archäometrischem Wege untersucht werden. Auf die archäologische Untersuchung von Glasperlen im Hinblick auf Perlenformen, Färbung, Zeitstellung, Fundzusammenhänge und Verbreitung folgt die archäometrische Analytik auf Haupt-, Neben- und Spurenelemente des Glases. Insgesamt wurden rund 320 Glasperlen mit der Elektronenstrahl-Mikrosonde und Laserablations-ICP-massenspektrometrisch analysiert. Die archäometrischen Analysen liefern Informationen hinsichtlich der verwendeten Glasrezepturen, die wiederum Aufschluss über Herkunft, Distribution sowie die Organisation des Glashandwerks bereithalten könnten. Durch die Verknüpfung der Ergebnisse beider Forschungsansätze soll die technik- und kulturgeschichtliche Stellung von Glas in der mitteleuropäischen Bronzezeit herausgearbeitet werden.
 
Erste Ergebnisse in:

  • MILDNER, S., FALKENSTEIN, F., SCHMIDT, J.-P., SCHÜSSLER, U. (2010): Materialanalytische Untersuchungen an ausgewählten Glasperlen des bronzezeitlichen Hortfundes von Neustrelitz, Lkr. Mecklenburg-Strelitz. - Bodendenkmalpflege in Mecklenburg-Vorpommern, Jahrbuch, 57, 2009, 43-63.
  • MILDNER, S., SCHÜSSLER, U., FALKENSTEIN, F. (2012): Bronzezeitliches Glas zwischen Alpenkamm und Ostsee. Untersuchungen zur Herstellung und Distribution des ältesten Glases in Mitteleuropa. - In: SCHLÜTTER, F., GREIFF, S., PRANGE, M. (eds.), Archäometrie und Denkmalpflege - Kurzberichte 2012, Metalla, Sonderheft 3, 197-199.
  • MILDNER, S., SCHÜSSLER, U., FALKENSTEIN, F. (2012): Bronze Age Glass between the Alps and the Baltic Sea. Studies on Manufacture and Distribution of the Oldest Glass in Central Europe. - 39th International Symposium on Archaeometry, 28.5.-1.6.2012, Leuven, abstract V69, program and abstracts: 394.
  • MILDNER, S., SCHÜSSLER, U., FALKENSTEIN, F., BRÄTZ, H. (2013): Bronzezeitliches Glas zwischen Alpenkamm und Ostsee - erste Ergebnisse einer archäometrischen Bestandsaufnahme. - In: HAUPTMANN, A., MECKING, O., PRANGE, M. (eds), Archäometrie und Denkmalpflege 2013, Metalla, Sonderheft 6, 246-250.

Mineralogische und chemische Zusammensetzung des Rohmaterials neolithischer Steinwerkzeuge

Laufendes Projekt, bestehend aus 2 Teilprojekten:

1. Neolithische Amphibolit-Steinwerkzeuge aus Grabungen auf der Frankenalb und im Donautal

Beteiligte:

Schüssler, Ulrich Institut für Geographie und Geologie, Universität Würzburg
Seregely, Timo, Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie, Universität Bamberg
Bogner, Markus, Vor und Frühgeschichtliche Archäologie, Universität Würzburg
Pechtl, Joachim, Geretsried
Brätz, Helene, GeoZentrum Nordbayern, Universität Erlangen

Aus mehreren Grabungen auf der Fränkischen Alb und aus der Grabung Stephansposching im Donautal bei Deggendorf wurden Steinwerkzeuge aus Amphibolit geborgen. Dieses Gestein spielt dabei unter den Steinwerkzeugen eine dominante Rolle. Dünnschliff-Analyse sowie die chemische Analyse der Haupt- und Spurenelemente zeigen, dass das Material aus der Fränkischen Alb identisch ist mit den Chlorit-Hornblende-Schiefern aus anderen Grabungen in Deutschland (siehe Vorläuferprojekt unter "Archäometrie - Steinwerkzeuge") und mit großer Wahrscheinlichkeit ebenso aus den Vorkommen von Chlorit-Hornblende-Schiefer in der Gegend um Jistebsko in Nordböhmen stammt. Zusätzlich zu dieser Gruppe finden sich unter den Amphibolit-Artefakten aus Stephansposching drei weitere Amphibolitgruppen, deren Herkunft bislang nicht geklärt ist.  

2. Spät- bis endneolithische Steinwerkzeuge aus Uivar in West-Rumänien und aus Tell Gorzsa und Ecsegfalva in der ungarischen Tiefebene

Beteiligte:

Schüssler, Ulrich Institut für Geographie und Geologie, Universität Würzburg
Schier, Wolfram, Institut für Prehistorische Archäologie, FU Berlin
Starnini, Elisabetta, Institut für Archäologie, Universität Genua
Szakmány, György. Institut für Geologie und Geochemie, Universität Budapest
Brätz, Helene, GeoZentrum Nordbayern, Universität Erlangen

Aus der Grabung Uivar stehen 22 Proben zur Verfügung, aus Tell Gorzsa fünf Proben und aus Ecsegfalga eine Probe. Für die Untersuchungen wurde von ausgewählten, nicht ausstellungswürdigen Proben Material zur Herstellung von Dünnschliffen und für die Herstellung von Probenpulver zur Analyse abgesägt. Die Untersuchungen erfolgten mit einem Durchlicht-Polarisationsmikroskop, der Röntgen-Pulverdiffraktometrie zur Bestimmung des Mineralinhaltes der sehr feinkörnigen Proben, der Röntgenfluoreszenzanalytik für die Bestimmung der Haupt- und Nebenelemente und der Laserablations-ICP-Massenspektrometrie zur Bestimmung der Spuren- und Seltenerdelemente.
Im Fundmaterial aus Uivar konnten inzwischen folgende Gesteinstypen nachgewiesen werden:

  • Amphibolit-Hornfels (vier Proben, nicht identisch mit den Amphiboliten aus Jistebsko)
  • Biotit-Gneis (eine Probe)
  • Ultrabasit (eine Probe)
  • Karbonatreiches Sediment (eine Probe)
  • Sehr feinkörniges siliziklastisches Sediment (eine Probe)
  • Mylonit (eine Probe)
  • Pyroxen-Plagioklas-Hornfels (13 Proben aus Uivar und alle Proben aus Ungarn)

Der Pyroxen-Plagioklas-Hornfels ist der dominierende Gesteinstyp und wurde allem Anschein nach in einem regional größeren Bereich verwendet. Dieses Gestein könnte daher in West-Rumänien und Süd-Ungarn eine ähnliche Roose spielen wir der Aktinolith-Hornblende-Schiefer in Deutschland und Böhmen. Das geologische Vorkommen des Ausgangsmaterials wurde allerdings noch nicht ausgemacht werden. Eine genauere Beschreibung wird in Kürze publiziert, weitere Untersuchungen werden folgen.

Herstellung von Glas in frühislamischer Zeit – archäologische und archäometrische Untersuchungen an neuen Grabungsfunden im Palast von Raqqa, Syrien

Laufendes Projekt seit 2010

Finanzierung von Sachmitteln und Reisemitteln durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG

Beteiligte:
Becker, Andrea, Museum für Islamische Kunst, Berlin
Paz, Boaz, Labor für Archäometrie, Bad Kreuznach
Schüßler, Ulrich, Institut für Geographie und Geologie, Universität Würzburg

Der archäologische Befund der alten Städte Raqqa und Madinat al-Far/Hisn Maslam wie auch die große Zahl gut stratifizierter Glasfunde erlauben eine detaillierte Analyse der Glasherstellung im Syrien des 8. und 9. Jhs., also für die Zeit kurz nach der islamischen Eroberung. Während der rund 40 Jahre der Herrschaft des Abbasiden-Kalifs Harun ar-Rashid war Raqqa eine blühende Stadt mit einer produktiver Glasmanufaktur, um die Bedürfnisse des Kalifenhofs und der schnell wachsenden Bevölkerung zufrieden zu stellen. Glasfunde aus dem Kalifenpalast werden it solchen aus der lokalen Glasherstellung verglichen, um zwischen lokalem und importiertem Glas unterscheiden zu können, um eine Vorstellung vom Anteil der Importware zu bekommen und um auf der Basis regionaler Vergleiche Informationen über die Herkunft der Importware zu erhalten.

Erste Ergebnisse in:

  • PAZ, B., ROSNER, M., VOGL, J., BECKER, A., SCHÜSSLER, U. (2013): Materialanalytische Untersuchung von islamischen Gläsern aus dem abbasidischen Palastkomplex von Ar-Raqqa. -In: HAUPTMANN, A., MECKING, O., PRANGE, M. (eds), Archäometrie und Denkmalpflege 2013, Metalla, Sonderheft 6, 262-263.