Archäokeramologische Untersuchungen an ausgewählten Funden vom Bullenheimer Berg, Gemeinde Seinsheim/Ippesheim, Bayern

Laufendes Projekt

Beteiligte:
Falkenstein, Frank, Institut für Archäologie, Universität Würzburg
Schüßler, Ulrich, Institut für Geographie und Geologie, Universität Würzburg
Friedrich, Christine, Institut für Archäologie, Universität Würzburg

Die bei den Grabungen am Bullenheimer Berg 2010 geborgene Keramik wird derzeit im Rahmen einer Magisterarbeit archäologisch und materialkundlich untersucht.

Zinn-Plattierung auf Keramik-Gefäßen des 4. Jhs. v.Ch. aus Makedonien

Beteiligte:
Kotitsa, Zoi, Institut für Archäologie, Universität Würzburg (jetzt Archäologisches Seminar, Universität Marburg)
Schüßler, Ulrich, Mineralogisches Institut der Universität Würzburg

Im Bereich der antiken Stadt Pydna an der Westküste des Thermaischen Golfes wurden in Gräbern des 4. bis 3. Jhs. v. Chr. zahlreiche Keramikgefäße gefunden, auf deren Oberfläche stark korrodierte Reste eines ehemaligen Metallüberzuges festgestellt wurde. Im Gegensatz zur Annahme einer Versilberung stellte sich nach Mikrosonden-Analytik von 56 Proben heraus, dass nicht Silber, sondern Zinn für die Verzierung der Gefäße verwendet wurde. Untersuchungen unter dem Elektronenmikroskop und eigene Versuche ergaben zudem, dass es sich um eine Folienverzinnung handelt. Vergleichende Untersuchungen mit Keramikresten aus dem Siedlungsbereich zeigten, dass das Gebrauchsgeschirr nicht verzinnt wurde. Die wohl teuren, silbrig glänzenden, verzinnten Gefäße dienten ausschließlich als statusanzeigende Grabbeilagen der luxusorientierten makedonischen Gesellschaft.

Ergebnisse in:

  • KOTITSA, Z., SCHÜSSLER, U. (2002): Zinn auf Keramik: Entstehung und Verwendung eines Statussymbols in Makedonien. - Archäologischer Anzeiger, 2002/2: 65-84.

Materialwissenschaftliche Analyse von historisch-islamischen Fliesenglasuren zur Entwicklung eines Restaurierungsmaterials

Abgeschlossenes Promotions-Projekt, 2011 bis 2015

Finanzierung der Wissenschaftlichen Mitarbeiterin durch ein Stipendium der Heinrich-Böll-Stiftung

Beteiligte:
Gradmann, Rena, Institut für Geographie und Geologie, Universität Würzburg,
Schüßler, Ulrich, Institut für Geographie und Geologie, Universität Würzburg,
Berthold, Christoph, Angewandte Mineralogie, Universirär Tübingen
Fraunhofer-Institut für Silicatforschung SIC, Würzburg,
Badr, Jasmin, Lehrstuhl für Restaurierungswissenschaften in der Baudenkmalpflege, Universität Bamberg

Eine Vielzahl historischer Gebäude im islamischen Kulturbereich gehört zum besonders schützenswerten Kulturgut oder ist bereits als UNESCO Weltkulturerbe eingestuft. Leider sind die meisten dieser Gebäude in keinem sehr guten Erhaltungszustand und oft nur unzureichend restauriert. Auch die Vorstellungen von Restaurierung sind dabei in den meisten Regionen eher einfach: Korrodiertes wird entfernt und durch Neues ersetzt. Derzeit arbeiten mehrere Forschungsgruppen an den Möglichkeiten einer sachgemäßen Restaurierung islamischer Gebäude. Ein wesentlicher Punkt sind dabei die bunten Glasuren der Fliesen, mit denen die Gebäude innen und außen verziert sind. Im Gegensatz zu anderen Arbeitsgruppen, die meist auf ein oder mehrere bestimmte Gebäudeensembles fokussiert sind und sich dann neben Architektur, Bestand des Mauerwerkes etc. unter anderem auch um die lokalen Glasuren kümmern, wird im hier vorgestellten Projekt versucht, die Situation der Glasuren überregional zu untersuchen und mit Hilfe der Ergebnisse ein variables und damit allgemein anwendbares Restaurierungsmaterial zu entwickeln.
Das Projekt hat damit zwei Schwerpunkte, einen analytischen zur genauen Feststellung der chemischen Zusammensetzung der Glasuren und einen experimentellen zur Entwicklung und Erprobung eines geeigneten Ersatzmaterials, mit dessen Hilfe die Glasuren auf historischen Fliesen gefestigt bzw. ergänzt werden können. Zum analytischen Teil wurde einen umfangreicher Probensatz von exemplarischen Gebäuden aus einem beträchtlichen Teil des islamischen Kulturbereiches zwischen Marokko und Pakistan beschafft und mit einer Elektronenstrahl-Mikrosonde analysiert, inklusive Anfertigung von Rückstreu-Rasterelektronen-Fotos zur Dokumentation. Dadurch wurde eine wesentliche Datenbasis zu den Rezepturen dieser Glasuren in regionaler Abhängigkeit erstellt. Schon zu Beginn der Arbeiten war klar, dass das Prozedere mit Probenentnahme vor Ort und Probentransport in ein high-tech-Labor zur Analyse zwar für das aktuelle Projekt geeignet, für eine breite Anwendung auf große Probenmengen bei der systematischen Restaurierung aber eher unpraktikabel ist. Daher wird in einem methodischen Teil des Projekts versucht, die Möglichkeiten der einfachen, aber etwas ungenaueren Analysemethode der portablen RFA für die breite Anwendung vor Ort auszutesten und zu optimieren.
Bereits nach Vorliegen der ersten Glasur-Rezepturen wurde damit begonnen, Ansätze für ein geeignetes Ersatzmaterial zu entwickeln, praktisch herzustellen und in einem Bewitterungsofen zu testen. Ein nicht zufriedenstellendes Startmaterial konnte dabei deutlich verbessert werden. Inzwischen wurde die Basis für eine Langzeitstudie für das Material gelegt (Kontakte zu einer Arbeitsgruppe in Nordindien). 

Ergebnisse in:

  • BADR, J., DREWELLO, R., HUCK-STIASNY, C., SCHÜSSLER, U. (2010): Materialwissenschaftliche Untersuchung des Fliesendekors an der Moschee Khoja Zainuddin in Buchara (Usbekistan). - Archäometrie und Denkmalpflege - Kurzberichte 2010, in: HAHN, O., HAUPTMANN, A., MODARRESSI-TEHRANI, D., PRANGE, M. (Eds.): Metalla, Sonderheft 3: 172-174.
  • GRADMANN, R., SCHÜSSLER, U., BADR, J. (2012): ESMA und mobile RFA-Analysen von Glasuren für die Entwicklung eines Restaurierungsmaterials. - In: SCHLÜTTER, F., GREIFF, S., PRANGE, M. (eds.), Archäometrie und Denkmalpflege - Kurzberichte 2012, Metalla, Sonderheft 3, 194-196.
  • GRADMANN, R., SCHÜSSLER, U., BELLENDORF, P., BADR, J. (2012): Characterization of Glazed Tiles with EPMA and Mobile XRF for the Development of Adapted Conservation Materials.- 39th International Symposium on Archaeometry, 28.5.-1.6.2012, Leuven, abstract V49, program and abstracts: 372.
  • GRADMANN, R., BERTHOLD, C., BADR, J., SCHÜSSLER, U. (2013): Colouring agents in medieval glazes characterized by µ-XRD and electron microprobe. 21th Annual Conference of the German Crystallographic Society, abstracts.
  • GRADMANN, R., BADR, J., SCHÜSSLER, U. (im Druck): Characterisation of Glazed Tiles with EPMA and Mobile XRF for the Development of Adapted Conservation Materials. Proceedings of the 39th International Symposium for Archaeometry, Leuven (2012), 7 S. 
  • Gradmann, R. (2015): Dissertation, Universität Würzburg.
  • GRADMANN, R., BERTHOLD, C., SCHÜSSLER, U. (2015): Composition and colouring agents od historical Islamic glazes measuered with EMPA and µ-XRD . - European Journal of Mineralogy, 27: 325-335.